„Solaranlage“ und „Photovoltaik“ werden im Alltag oft als dasselbe Wort verwendet – sie bedeuten aber nicht dasselbe. Die kurze Antwort: Solaranlage ist der Oberbegriff, Photovoltaik ist eine bestimmte Art von Solaranlage. Eine Photovoltaikanlage erzeugt Strom aus Sonnenlicht. Die andere wichtige Art von Solaranlage, die Solarthermie, erzeugt Wärme. Wer die Begriffe verwechselt, vergleicht leicht Angebote, die gar nicht vergleichbar sind. Dieser Artikel klärt die Begriffe und hilft Ihnen, die richtige Technik für Ihr Zuhause zu wählen.
Stand: 24.08.2026
Die Kurzantwort im Überblick
| Begriff | Bedeutung | Erzeugt |
|---|---|---|
| Solaranlage | Oberbegriff für Anlagen, die Sonnenenergie nutzen | Strom oder Wärme |
| Photovoltaik (PV) | Solaranlage zur Stromerzeugung | Strom |
| Solarthermie | Solaranlage zur Wärmeerzeugung | Wärme |
| Hybridanlage (PVT) | Kombination aus Photovoltaik und Solarthermie | Strom und Wärme |
Wenn jemand von „einer Solaranlage auf dem Dach“ spricht, meint er fast immer eine Photovoltaikanlage. Das liegt daran, dass Photovoltaik heute die mit Abstand verbreitetste Form der Solarenergie auf Wohnhäusern ist. Trotzdem lohnt es sich, die Begriffe genau zu kennen – spätestens dann, wenn Sie Angebote einholen oder Förderungen prüfen.
Was ist eine Solaranlage?
Eine Solaranlage ist jede Anlage, die die Energie der Sonne nutzbar macht. Der Begriff sagt nichts darüber aus, ob Strom oder Wärme erzeugt wird. Er beschreibt nur die Energiequelle: die Sonne.
Zur Solaranlage gehören unter anderem:
- Photovoltaikanlagen – erzeugen Strom.
- Solarthermieanlagen – erzeugen Wärme.
- Hybridanlagen – erzeugen Strom und Wärme zugleich.
Auch ein Balkonkraftwerk ist eine Solaranlage – genauer gesagt eine kleine Photovoltaikanlage. Und eine solarthermische Anlage zur Warmwasserbereitung ist ebenfalls eine Solaranlage, obwohl sie keinen einzigen Stromzähler bewegt.
Was ist Photovoltaik?
Photovoltaik – kurz PV – ist die Technik, die Sonnenlicht direkt in Strom umwandelt. Der Name setzt sich aus dem griechischen Wort „phos“ (Licht) und „Volt“, der Einheit der elektrischen Spannung, zusammen. In den Solarzellen der Module entsteht durch den photovoltaischen Effekt Gleichstrom, den ein Wechselrichter in Wechselstrom für den Haushalt umwandelt.
Eine Photovoltaikanlage besteht aus Solarmodulen, Wechselrichter, Montagesystem, Verkabelung und Zähler – und optional aus einem Stromspeicher. Der erzeugte Strom wird im Haus verbraucht, gespeichert oder ins öffentliche Netz eingespeist. Für eingespeisten Strom gibt es eine Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).
Photovoltaik ist die Technik, die auf dieser Website im Mittelpunkt steht. Wenn hier von „Solaranlage“ die Rede ist, ist in der Regel eine Photovoltaikanlage gemeint – sofern nicht ausdrücklich Solarthermie genannt wird.
Was ist Solarthermie?
Solarthermie nutzt die Sonne, um Wärme zu erzeugen. Kollektoren auf dem Dach – meist Flachkollektoren oder Röhrenkollektoren – erwärmen eine Flüssigkeit, die die Wärme in einen Warmwasserspeicher überträgt. Von dort versorgt sie die Warmwasserbereitung und, bei größeren Anlagen, die Heizung.
Eine Solarthermieanlage erzeugt keinen Strom. Sie senkt den Verbrauch von Gas, Öl oder Strom für Heizung und Warmwasser, aber sie senkt nicht die Stromrechnung für Haushaltsgeräte. Sie braucht in der Regel eine Ergänzung: Im Winter, wenn die Sonne wenig scheint, muss eine Heizung den Rest übernehmen.
Typische Einsatzgebiete der Solarthermie sind:
- Warmwasserbereitung für Bad und Küche,
- Unterstützung der Heizung in der Übergangszeit,
- Erwärmung von Schwimmbadwasser.
Photovoltaik und Solarthermie im direkten Vergleich
| Merkmal | Photovoltaik | Solarthermie |
|---|---|---|
| Erzeugt | Strom | Wärme |
| Nutzt | Sonnenlicht | Sonnenwärme |
| Hauptkomponente | Solarmodule | Kollektoren |
| Speicherung | Stromspeicher (Batterie) | Warmwasserspeicher |
| Überschuss | Einspeisung ins Stromnetz mit Vergütung | Kein Verkauf möglich – Wärme bleibt im Haus |
| Stromrechnung | Wird direkt gesenkt | Wird nur indirekt gesenkt, wenn Strom für Warmwasser genutzt wurde |
| Heizung | Ersetzt keine Heizung | Unterstützt Heizung und Warmwasser |
| Förderung | Unter anderem EEG-Vergütung, KfW-Kredit 270, 0 Prozent Umsatzsteuer | Förderprogramme für Heizung und Warmwasser, je nach Programm |
Beide Techniken haben ihre Berechtigung. Sie lösen aber unterschiedliche Probleme: Photovoltaik senkt die Stromrechnung, Solarthermie senkt den Heizenergieverbrauch.
Was ist eine Hybridanlage?
Eine Hybridanlage – auch PVT-Anlage genannt – kombiniert Photovoltaik und Solarthermie in einem Modul. Die Rückseite des PV-Moduls wird mit einem Wärmetauscher gekühlt, und die abgeführte Wärme wird für Warmwasser oder Heizung genutzt. Gleichzeitig arbeitet das gekühlte Modul etwas effizienter.
Hybridanlagen sind technisch interessant, aber teurer und aufwendiger in Planung und Installation. Sie lohnen sich vor allem dann, wenn die Dachfläche knapp ist und sowohl Strom als auch Wärme gebraucht werden. Für die meisten Einfamilienhäuser ist eine reine Photovoltaikanlage – gegebenenfalls ergänzt um eine Wärmepumpe – die einfachere Lösung.
Was passt zu wem?
Die Entscheidung hängt davon ab, was Sie erreichen wollen:
Photovoltaik passt, wenn Sie:
- Ihre Stromrechnung senken wollen,
- Strom für Haushaltsgeräte, Wärmepumpe oder Elektroauto selbst erzeugen wollen,
- überschüssigen Strom verkaufen möchten,
- einen Speicher nutzen wollen, um abends eigenen Strom zu verbrauchen.
Solarthermie passt, wenn Sie:
- vor allem Warmwasser mit Sonnenenergie bereiten wollen,
- Ihre Heizung in der Übergangszeit unterstützen wollen,
- bereits eine Heizung haben, die sich gut kombinieren lässt,
- wenig Strom, aber viel Warmwasser verbrauchen.
Beide Techniken kombinieren können Sie, wenn das Dach groß genug ist. Dann erzeugen die PV-Module Strom und die Kollektoren Wärme. Beachten Sie aber, dass beide Techniken Dachfläche brauchen und sich gegenseitig Fläche wegnehmen. Rechnen Sie deshalb vorher, welche Technik Ihnen mehr bringt.
Typische Missverständnisse
„Eine Solaranlage macht mich unabhängig vom Stromnetz.“
Nur zum Teil. Eine Photovoltaikanlage senkt den Netzbezug deutlich, ersetzt ihn aber nicht vollständig. Nachts und im Winter brauchen Sie weiterhin Netzstrom – es sei denn, Sie haben einen sehr großen Speicher und eine sehr große Anlage, was für ein normales Wohnhaus in der Regel unwirtschaftlich ist. Eine Solarthermieanlage macht Sie ohnehin nicht unabhängig vom Stromnetz, weil sie keinen Strom erzeugt.
„Solarthermie und Photovoltaik sind dasselbe.“
Nein. Beide nutzen die Sonne, aber sie erzeugen unterschiedliche Energieformen. Die Module sehen sich auf den ersten Blick ähnlich, funktionieren aber völlig anders. Auch die Kosten, die Förderung und die Anmeldung unterscheiden sich.
„Mit einer Solaranlage brauche ich keine Heizung mehr.“
Weder Photovoltaik noch Solarthermie ersetzt eine Heizung. Photovoltaik liefert Strom, aber keine Wärme für die Heizkörper – es sei denn, der Strom betreibt eine Wärmepumpe. Solarthermie unterstützt die Heizung, deckt den Wärmebedarf aber im Winter nicht allein.
„Die Einspeisevergütung gilt für jede Solaranlage.“
Die EEG-Einspeisevergütung gilt nur für Strom aus Photovoltaik, der ins Netz eingespeist wird. Für Wärme aus Solarthermie gibt es keine Einspeisevergütung, weil Wärme nicht ins Stromnetz eingespeist werden kann.
Worauf Sie bei Angeboten achten sollten
Wenn Sie Angebote einholen, prüfen Sie, welche Technik angeboten wird:
- Steht im Angebot „Photovoltaik“, „PV“ oder „kWp“, geht es um Strom.
- Steht dort „Solarthermie“, „Kollektoren“ oder „Warmwasser“, geht es um Wärme.
- Achten Sie auf die Einheit: kWp (Kilowattpeak) beschreibt die Leistung einer Photovoltaikanlage, Quadratmeter Kollektorfläche die Größe einer Solarthermieanlage.
- Vergleichen Sie nur Angebote für dieselbe Technik miteinander. Ein Photovoltaik-Angebot und ein Solarthermie-Angebot lassen sich nicht direkt vergleichen.
Fragen Sie im Zweifel nach: „Erzeugt diese Anlage Strom oder Wärme?“ Ein seriöser Anbieter beantwortet diese Frage klar und eindeutig.
Was kostet was?
Die Kosten unterscheiden sich deutlich. Eine Photovoltaikanlage für ein Einfamilienhaus kostet je nach Größe und Speicher in der Regel zwischen etwa 7.000 und 21.000 Euro (Stand: 24.08.2026). Eine Solarthermieanlage zur Warmwasserbereitung ist meist günstiger, deckt aber auch nur einen Teil des Energiebedarfs. Die genauen Kosten einer Photovoltaikanlage – mit und ohne Speicher – finden Sie im Artikel Solaranlage Kosten: Was kostet eine Solaranlage wirklich?
Häufige Fragen
Ist ein Balkonkraftwerk Photovoltaik oder Solarthermie?
Ein Balkonkraftwerk ist eine kleine Photovoltaikanlage. Es erzeugt Strom, keine Wärme. Es besteht aus ein oder zwei Solarmodulen und einem Wechselrichter und wird an eine Steckdose angeschlossen.
Kann ich Photovoltaik und Solarthermie auf einem Dach kombinieren?
Ja, wenn die Dachfläche ausreicht. Beide Techniken lassen sich auf demselben Dach installieren. Planen Sie aber die Flächenaufteilung sorgfältig: Jedes Solarthermie-Modul nimmt einem PV-Modul Platz weg – und umgekehrt.
Welche Technik spart mehr Geld?
Das hängt vom Haushalt ab. In den meisten Haushalten ist die Stromrechnung der größere Kostenblock, den man mit Photovoltaik direkt senken kann. Solarthermie spart Heizenergie, was sich vor allem bei hohen Heizkosten lohnt. Eine pauschale Antwort gibt es nicht – entscheidend sind Stromverbrauch, Heizsystem und Dachfläche.
Fazit
Solaranlage ist der Oberbegriff, Photovoltaik die Stromtechnik darunter. Wer Strom erzeugen und die Stromrechnung senken will, braucht Photovoltaik. Wer Wärme für Warmwasser und Heizung gewinnen will, braucht Solarthermie. Beide Techniken nutzen die Sonne, aber sie sind nicht austauschbar. Wenn Sie die Begriffe sauber trennen, vergleichen Sie Angebote richtig und wählen die Technik, die zu Ihrem Zuhause passt.
Quellen
- Verbraucherzentrale – Erneuerbare Energien: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/erneuerbare-energien
- Bundesnetzagentur – EEG-Förderung: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/ErneuerbareEnergien/EEG_Foerderung/start.html