Solaranlage oder Balkonkraftwerk? Beide erzeugen Strom aus Sonnenlicht, aber sie sind für unterschiedliche Situationen gedacht. Eine Dachanlage ist groß, leistungsstark und teuer – ein Balkonkraftwerk ist klein, günstig und schnell montiert. Dieser Artikel vergleicht beide Lösungen bei Kosten, Ertrag, Anmeldung und Voraussetzungen und hilft Ihnen zu entscheiden, welche zu Ihrer Wohnsituation passt.
Stand: 27.10.2026 – Preise und Regelungen können sich ändern. Prüfen Sie vor einer Entscheidung die aktuellen Angaben und holen Sie Angebote ein.
Die beiden Lösungen im Überblick

Eine Solaranlage – in der Regel eine Photovoltaikanlage auf dem Dach – besteht aus vielen Modulen, einem Wechselrichter und oft einem Speicher. Sie wird fest installiert, von einem Fachbetrieb montiert und beim Netzbetreiber angemeldet. Sie erzeugt viel Strom und kann einen großen Teil des Haushaltsverbrauchs decken.
Ein Balkonkraftwerk ist eine kleine, steckerfertige Photovoltaikanlage mit einem oder mehreren Modulen. Es wird über eine Steckdose angeschlossen, ist in wenigen Stunden montiert und erzeugt Strom für den Eigenverbrauch. Es deckt nur einen Teil des Verbrauchs, ist aber deutlich günstiger und auch für Mieterinnen und Mieter geeignet.
Beide erzeugen Strom, keine Wärme. Eine Solaranlage im Sinne der Photovoltaik ist nicht mit einer Solarthermieanlage zu verwechseln, die Wärme für Heizung und Warmwasser erzeugt.
Vergleich: Kosten, Ertrag und Aufwand

| Kriterium | Dachanlage (Solaranlage) | Balkonkraftwerk |
|---|---|---|
| Typische Leistung | 5 bis 10 kWp | Bis 800 VA Wechselrichterleistung, bis zu 2.000 Wp Modulleistung (Schuko bis 960 Wp) |
| Typischer Jahresertrag | Etwa 5.000 bis 10.000 kWh | Etwa 600 bis 900 kWh |
| Kaufpreis | Etwa 1.010 bis 2.090 Euro pro kWp, je nach Anlagengröße | Etwa 250 bis 500 Euro; mit Speicher 700 bis 1.700 Euro |
| Beispiel: 5 kWp ohne Speicher | Etwa 10.300 Euro (ADAC-Beispiel 5 kWp) | – |
| Beispiel: 5 kWp mit 5 kWh Speicher | Etwa 13.300 Euro (ADAC-Beispiel 5 kWp + 5 kWh) | – |
| Installation | Fachbetrieb, mehrere Tage | Selbstmontage möglich, wenige Stunden |
| Anmeldung | Installationsbetrieb und Betreiber | Betreiber: nur MaStR-Registrierung |
| Einspeisevergütung | Ja, nach EEG | Bei vereinfachten Regeln unentgeltliche Abnahme (keine EEG-Vergütung) |
| Speicher | Oft sinnvoll, 5 bis 10 kWh | Optional, 1 bis 2 kWh |
| Lebensdauer Module | 25 Jahre und mehr | 25 Jahre und mehr |
Die Preise sind Richtwerte, Stand: 27.10.2026. Die Einspeisevergütung nach dem EEG liegt für Anlagen bis 10 kWp, die zwischen dem 1. August und dem 31. Dezember 2026 in Betrieb genommen werden, bei 7,70 Cent pro kWh bei Teileinspeisung und bei 12,22 Cent pro kWh bei Volleinspeisung.
Ertrag: Wie viel Strom deckt welche Lösung?

Eine Dachanlage mit 5 kWp erzeugt im Jahr oft rund 5.000 kWh und kann damit einen großen Teil eines typischen Haushaltsverbrauchs von etwa 2.500 bis 4.000 kWh decken. Der Eigenverbrauch liegt ohne Speicher oft bei etwa 30 bis 40 Prozent, mit Speicher kann er auf etwa 60 bis 80 Prozent steigen.
Ein Balkonkraftwerk mit 800 VA Wechselrichterleistung erzeugt an einem gut ausgerichteten, wenig verschatteten Standort im Jahr oft rund 600 bis 900 kWh (ADAC-Marktüberblick vom 18.08.2026, grobe Orientierung für einen Südbalkon ohne Verschattung). Das deckt etwa 15 bis 35 Prozent eines typischen Haushaltsverbrauchs – vor allem die Grundlast, also den Strom, den Kühlschrank, Router und Stand-by-Geräte rund um die Uhr brauchen. Der Eigenverbrauch liegt ohne Speicher oft bei etwa 50 bis 70 Prozent, weil die erzeugte Menge klein ist und meist direkt verbraucht wird.
Kosten und Wirtschaftlichkeit
Eine Dachanlage kostet deutlich mehr, erzeugt aber auch deutlich mehr Strom und bringt eine Einspeisevergütung für den überschüssigen Strom. Sie amortisiert sich in der Regel nach etwa 8 bis 12 Jahren, je nach Anlagengröße, Eigenverbrauch und Strompreis.
Ein Balkonkraftwerk kostet wenig. Ob und wann es sich amortisiert, hängt von Standort, Eigenverbrauch, Setpreis, Halterung und Strompreis ab; eine pauschale Amortisationszeit von fünf bis sieben Jahren gilt nicht für jeden Haushalt. Der absolute Gewinn ist kleiner, weil die Anlage weniger Strom erzeugt – aber das investierte Geld ist auch deutlich geringer.
Entscheidend ist nicht nur die Amortisationszeit, sondern auch, wie viel Geld Sie insgesamt investieren wollen und können. Ein Balkonkraftwerk ist ein Einstieg mit geringem Risiko. Eine Dachanlage ist eine größere Investition mit größerem Nutzen.
Voraussetzungen: Was brauchen Sie?
Dachanlage
- Eigenes Dach: Sie müssen Eigentümerin oder Eigentümer des Hauses sein oder die Zustimmung des Eigentümers haben.
- Geeignetes Dach: Wenig Verschattung, ausreichende Restlebensdauer, ausreichende Tragfähigkeit.
- Stromverbrauch: Es gibt keine feste Mindestgrenze. Ob sich eine Dachanlage rechnet, hängt von Dachfläche, Ausrichtung, Investitionskosten, Strompreis, Eigenverbrauch und Einspeisevergütung ab.
- Fachbetrieb: Die Installation muss von einem Fachbetrieb erfolgen.
Balkonkraftwerk
- Balkon, Terrasse, Fassade oder Garten: Ein sonniger, wenig verschatteter Platz mit einer stabilen Befestigungsmöglichkeit.
- Steckdose in der Nähe: Die Anlage wird über eine Steckdose angeschlossen.
- Geeigneter Zähler: Ein alter Zähler, der bei Einspeisung rückwärtsläuft, muss ausgetauscht werden.
- Zustimmung bei Mietwohnungen: Als Mieterin oder Mieter brauchen Sie weiterhin die Zustimmung der Vermieterin oder des Vermieters. Seit Oktober 2024 gilt eine Balkon-Solaranlage als privilegierte bauliche Veränderung; die Zustimmung darf nur unter den gesetzlichen Voraussetzungen verweigert werden.
Anmeldung: Was ist Pflicht?

Beide Anlagen müssen angemeldet werden. Bei einer Dachanlage übernimmt die Anmeldung beim Netzbetreiber in der Regel der Installationsbetrieb; die Registrierung im Marktstammdatenregister ist Aufgabe des Betreibers. Bei einem Balkonkraftwerk ist die Anmeldung einfacher: Die Registrierung im Marktstammdatenregister erledigen Sie selbst online in wenigen Minuten; eine separate Meldung beim Netzbetreiber ist dann nicht erforderlich, weil die Bundesnetzagentur die Daten automatisch übermittelt.
Eine Baugenehmigung ist für eine übliche Dachanlage in den meisten Bundesländern nicht nötig; Ausnahmen gibt es unter anderem bei denkmalgeschützten Gebäuden. Für ein Balkonkraftwerk ist in der Regel ebenfalls keine Baugenehmigung nötig.
Für wen passt welche Lösung?

Eine Dachanlage passt besser, wenn Sie:
- ein eigenes Haus mit einem geeigneten Dach haben,
- viel Strom verbrauchen, zum Beispiel mit Wärmepumpe oder Elektroauto,
- möglichst viel eigenen Strom erzeugen und unabhängiger vom Strompreis werden wollen,
- bereit sind, mehrere Tausend Euro zu investieren.
Ein Balkonkraftwerk passt besser, wenn Sie:
- Mieterin oder Mieter sind und keine Dachanlage installieren können,
- einen sonnigen Balkon, eine Terrasse oder einen Garten haben,
- mit geringem Aufwand und geringen Kosten in Solarstrom einsteigen wollen,
- nur einen Teil Ihres Stromverbrauchs decken wollen.
Kann man beides kombinieren?
Ja. Ein Balkonkraftwerk kann ein Einstieg sein, bevor Sie später eine Dachanlage installieren. Umgekehrt kann ein Balkonkraftwerk auch zusätzlich zu einer Dachanlage sinnvoll sein, wenn es einen sonnigen Platz gibt, den die Dachanlage nicht nutzt – zum Beispiel einen Südbalkon an einem Haus, dessen Dach nach Norden zeigt. Beachten Sie in diesem Fall, dass beide Anlagen registriert werden müssen und dass die Gesamtleistung und der Anschluss mit dem Netzbetreiber abgestimmt werden sollten.
Entscheidungshilfe: Fünf Fragen an sich selbst
| Wohnsituation | Passende Lösung |
|---|---|
| Mietwohnung ohne eigenes Dach | Balkonkraftwerk |
| Eigenheim mit geeignetem, wenig verschattetem Dach | Dachanlage |
| Eigenheim, Dach ungeeignet oder nur klein | Balkonkraftwerk als Einstieg; Dachanlage prüfen |
| Eigenheim mit Wärmepumpe oder Elektroauto | Dachanlage prüfen; Eigenverbrauch steigt |
| Sonniger Balkon oder Garten, kein Dach | Balkonkraftwerk (auch im Garten möglich) |
Habe ich ein eigenes Dach? Nein – dann ist das Balkonkraftwerk in der Regel die einzige Option. Ja – dann lohnt sich ein Vergleich.
Wie hoch ist mein Stromverbrauch? Eine Dachanlage ist nicht erst ab einem bestimmten Mindestverbrauch sinnvoll. Ob sie sich rechnet, hängt unter anderem von Dachfläche, Ausrichtung, Investitionskosten, Strompreis, Eigenverbrauch, Einspeisevergütung und möglichen Zusatzverbrauchern wie Wärmepumpe oder Elektroauto ab. Ein höherer Verbrauch kann den Eigenverbrauch erhöhen, ist aber kein alleiniger Entscheidungsfaktor. Lassen Sie für die Dachanlage eine individuelle Ertrags- und Wirtschaftlichkeitsrechnung erstellen.
Wie viel will ich investieren? Wenige Hundert Euro – Balkonkraftwerk. Mehrere Tausend Euro – Dachanlage.
Wie sonnig ist mein Balkon? Nordbalkon oder stark verschattet – weder noch. Südbalkon ohne Schatten – Balkonkraftwerk lohnt sich.
Will ich Strom einspeisen und vergütet bekommen? Ja – dann brauchen Sie das reguläre Netzanschlussverfahren: Ein Balkonkraftwerk kann eine EEG-Vergütung nur erhalten, wenn es nicht nach den vereinfachten Steckersolar-Sonderregeln, sondern im regulären Verfahren angemeldet wird. Nein – dann reicht ein Balkonkraftwerk mit unentgeltlicher Abnahme für den Eigenverbrauch.
Häufige Fragen
Kann ich als Mieter eine Dachanlage installieren?
In der Regel nicht, weil Sie das Dach nicht besitzen. Ein Balkonkraftwerk ist für Mieterinnen und Mieter die passende Lösung.
Ersetzt ein Balkonkraftwerk eine Dachanlage?
Nein. Ein Balkonkraftwerk erzeugt nur einen Bruchteil des Stroms einer Dachanlage. Es ist ein Einstieg und eine Ergänzung, aber kein Ersatz.
Was ist wirtschaftlicher: Dachanlage oder Balkonkraftwerk?
Beide können sich lohnen. Ein Balkonkraftwerk amortisiert sich in der Regel schneller, eine Dachanlage bringt absolut mehr Ersparnis und eine Einspeisevergütung. Entscheidend sind Dach, Verbrauch und Budget.
Kann ich ein Balkonkraftwerk später erweitern?
Die Wechselrichterleistung eines Steckersolargeräts ist auf 800 VA begrenzt; die Modulleistung darf bis zu 2.000 Wp betragen. Wer die Wechselrichterleistung über 800 VA hinaus erhöhen will, braucht eine fest installierte Anlage mit dem regulären Netzanschlussverfahren durch einen Fachbetrieb.
Fazit
Die Frage ist nicht, welche Lösung besser ist, sondern welche zu Ihrer Situation passt. Wer ein eigenes Dach und einen höheren Stromverbrauch hat, ist mit einer Dachanlage besser bedient: Sie erzeugt deutlich mehr Strom, bringt eine Einspeisevergütung und deckt einen großen Teil des Verbrauchs. Wer zur Miete wohnt, einen sonnigen Balkon hat oder mit wenig Geld in Solarstrom einsteigen will, ist mit einem Balkonkraftwerk gut bedient: Es ist günstig, schnell montiert und senkt die Stromrechnung über viele Jahre. Einen ausführlichen Kostenüberblick für Dachanlagen finden Sie im Artikel Solaranlage Kosten: Was kostet eine Solaranlage wirklich?
Quellen
- Bundesnetzagentur – EEG-Förderung: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/ErneuerbareEnergien/EEG_Foerderung/start.html
- Marktstammdatenregister: https://www.marktstammdatenregister.de/MaStR
- ADAC – Balkonkraftwerk: https://www.adac.de/rund-ums-haus/energie/balkonkraftwerk/